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25.02.2015

Testbericht Tubeless-System mit American Classic im Trainingslager 2015 auf Mallorca

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„Olaf, ich sende Euch noch zwei Satz Laufräder mit Tubeless-Reifen zum Testen.“ Diese Ansage ließ unsere Stirn Falten werfen, ernste Bedenken bezüglich der Zuverlässigkeit auf den ruppigen Straßen Mallorca’s kamen auf. Nachdem die Testlaufräder die Insel erreichten, montierten wir sie in unsere Straßenräder, überprüften den Luftdruck und packten zur Sicherheit zwei Reserveschläuche gleich mit ein – Sicher ist sicher!

Doch wie viel Luftdruck fährt man denn auf Tubeless-Reifen? Wo ist der perfekte Kompromiss zwischen Komfort und verschwendeter Energie? Ab wann stellt sich unsichere Kurvenfahrt ein und reicht die Luft überhaupt aus, entstehende Löcher mithilfe der PlattenKiller ZeroFlats Pannenschutzmilch ausreichend abzudichten? Alles Fragen, die sich im Laufe des zweiwöchigen Trainings- und Testlagers beantworten lassen.

Zuallererst fällt mal auf, dass der 23mm breite Tubeless-Reifen deutlich breiter auf der Felge ist, als es unsere bisherigen Reifen (24mm Breite) waren. Begründung dafür ist scheinbar eine ziemlich simple, nämlich weist die Felge der American Classic Tubeless Road Laufräder eine beträchtliche Innenbreite von 21mm auf, was bis vor wenigen Jahren nicht einmal bei MTB-Felgen zu finden war. Der breite Sitz der Reifenflanke auf der Felge sorgt dafür, dass bei gleichbleibendem Gewicht des Reifens eine deutlich breitere Ausdehnung des Reifens entsteht und sich somit das Volumen erhöht. Und, das kennen wir auch aus dem MTB-Bereich, ein höheres Volumen bedeutet gleichzeitig einen niedrigeren möglichen Luftdruck, was gerade auf teils denkwürdigen Straßenverhältnissen Komfort bringt, den in dieser Sensibilität sicher kein Rahmen, Sattel oder keine Sattelstütze erzeugen kann.

Den Luftdruck regulierte ich mit einem digitalen Luftdruckprüfer auf 5,9 bar vorn, hinten 6,5. Normal sind zwar Drücke um 8 bar (ich wiege 78kg ohne Klamotten), doch da weniger Luftdruck einen flexibleren Reifen bedeutet, versprach ich mir mehr Entlastung gerade auf den langen Tagesetappen unseres Trainingslagers. Falls dies nicht deckungsgleich mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen ist, freue ich mich einfach über den zusätzlichen Trainingseffekt und das es dennoch funktioniert.

Die erste Probefahrt auf der Insel erwies sich als denkbar unauffällig, kein schwammiges Gefühl im Wiegetritt oder bei Kurvenfahrt – und noch wichtiger, die Luft hielt… Also ging es nun frohen Mutes auf unsere legendären Ausdauerfahrten jenseits der 160km-Marke, wobei wirklich alles gefordert ist. Steh- und Sitzvermögen für einen festen Tritt ins Pedal sowie mentale Härte im Kampf gegen den permanenten Wind. Über die ersten beiden Trainingsblöcke berichteten wir bereits umfänglich, den dritten Dreierblock haben wir nun ebenfalls gut hinter uns bringen können.

 

An unserem 7. Trainingstag teilten wir uns in zwei Lager, die Einen wählten intensive Belastungen in Intervallform in Richtung Cap Formentor und eine zusätzliche Einheit nachmittags über das Land, die Anderen erklommen gleich ZWEImal den Anstieg von Sa Calobra hoch zum Coll del Reis! Wer diesen Berg und viel mehr noch diese Straßenführung noch nie gesehen oder gefahren hat, glaubt nicht, dass es so etwas überhaupt gibt – unglaublich schön, unglaublich hart. Am Ende stand für alle wieder ein langer und ereignisreicher Trainingstag in den Büchern, den Vogel aber abgeschossen hat Teamchef Olaf Nützsche, der es mit einer Energieleistung vollbrachte, fast 4.000 Höhenmeter in etwa 8 Stunden zu absolvieren (siehe Strava-Aufzeichnung)

Am 8. Trainingstag ging es in wiederum in die Berge, die schon vor zwei Jahren mehrfach gemeisterte Etappe über drei richtig lange Anstiege blieb in guter Erinnerung und sollte auch 2015 nicht fehlen. Zu fünft machte man sich auf, um einen richtig guten Trainingstag bei tollem Wetter im Tramuntana-Gebirge zu haben. Von Pollenca aus führte uns der Anstieg zum Coll de Femenia hoch auf den Gebirgskamm, dort über die zahlreichen Gegenanstiege schließlich hinunter nach Sa Calobra, wo Olaf und Alex im Sommerurlaub noch badeten. In zügigem Tempo ging es wieder hoch auf den Berg, Felix benötigte mit Marvin gerade einmal 32 Minuten für den Anstieg, nicht übel für die Erstbefahrung. Letztlich führte der Weg zum Wendepunkt bei Sòller, wo nach einem kleinen Snack der gut und gerne Dreiviertelstunden-Anstieg zum Puig Major wartete. Nach wiedermal 6 h und 155km schlich man förmlich ins Hotel, das war heute eine wirklich harte Nuss.

Zum letzten Trainingstag des Trainingsblocks gesellte sich neben der Sonne reichlich Wind, und wenn wir den Wind extra erwähnen, war es richtiger Wind. Den Lenker gut festgehalten, ging es in tief gebeugter Haltung immer gegen den Widerstand, erst nach 5 Stunden Fahrzeit hatte Petrus ein Erbarmen und schob uns kräftig nach Alcudia. Nun schauen wir auf 3 weitere Tage mit guten Trainingsbedingungen zurück, zwei weitere werden noch folgen und dann geht es schon wieder heimwärts.

 

Vollkommen unauffällig verrichteten die Tubeless-Räder ihren Dienst, seit knapp 1.600 Kilometern habe ich sie im Einsatz, zu verzeichnen ist weder ein Druckverlust, Beschädigungen oder gar Ausfälle. Ob die Milch beim Lochabdichten zum Einsatz kam, kann ich nicht sagen, vielleicht gab es ja gar keine Ausfälle. Die Reifen sehen fast unbenutzt aus, von den Felgen und Naben ganz zu schweigen.

Als Fazit möchte ich sagen, immer wieder Tubeless-Reifen mit den American Classics – Sicher ist sicher!

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